C wie Chancen oder Wie Sie das Pferd des Weltmeisters reiten

Es waren einmal zwei Schwestern – und ich erzähle hier kein Märchen – die Pferde liebten und im Reitsport landeten. Eines Tages nahmen beide an einem großen, wichtigen Reitturnier teil. Wichtig deshalb, weil der Weltmeister der Dressurreiter dem Gewinner der Vielseitigkeitsprüfung (Dressur, Gelände- und Springreiten) einen Pokal überreichen würde und viele, viele Menschen in die kleine Stadt gekommen waren, um das zu sehen. Die beiden Schwestern waren noch sehr jung, die Jüngere von beiden war gerade mal 12 und damit die Jüngste im Teilnehmerfeld von Erwachsenen.

Und da die beiden Schwestern arm waren, starteten sie nicht mit eigenen Pferden, sondern Pferdebesitzer hatten ihnen ihre besten Rösser zur Verfügung gestellt, denn die Schwestern galten als ungemein talentiert. So kam es, dass beide als Aussenseiter an den Start gingen, die Jüngere ritt sogar erst als Letzte in’s Feld. “Die Letzten werden die Ersten sein” rief der Starter ihr noch zu und zur Überraschung aller – am allermeisten zur Verblüffung der Jüngsten selbst – wurde sie die Siegerin dieser so wichtigen Veranstaltung. Der Weltmeister reichte ihr strahlend den Pokal und die Hand, der Beifall in der übervoll besetzten Halle brandete lang anhaltend auf. Pikanterweise wurde die ältere Schwester Zweite. Sie schrieb dem Weltmeister nach dem Turnier einen Brief, worauf er sie einlud, seine Pferde zu reiten. Was sie dann auch tat, mit großer, andauernder Freude.

Zweifelsohne, die beiden Mädchen haben ihre Chancen gesehen und sie genutzt, nicht wahr? Doch welche von beiden besser? Die Jüngste, Erstplazierte, die den Pokal nach Hause trug oder die Ältere, beim Turnier noch auf Platz 2 Verwiesene? Ich meine die Zweite, denn sie hat aus viel Leistungsbereitschaft- und hohem Leistungvermögen und einer “bonne chance” einen bleibenden Kontakt hergestellt und gepflegt – eine nachhaltige Chancenverwertung, wie ich finde.

 

Das heutige Bildmotiv zeigt eine Sekundenzeichnung, entstanden während meines letzten Lehrauftrages an der FH Ottersberg im Juli 2011. Ich nenne sie “Don’t look back in anger”.

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