H wie Heimat

Alle Welt spricht derzeit, schreibt und denkt nach zum Begriff ‘Heimat’ – die Presse macht gar einen ‘Heimat-Boom’ bei Büchern aus, Konferenzen professioneller Counselor finden zu diesem Thema statt. Kein Wunder, jeden Tag ist über Vertreibungen aus Heimaten, Heimatsuche und Heimatverlust zu lesen und hören – ist es uns durch den Heimat-Verlust anderer möglich, ‘Heimat’ für uns neu zu definieren und zu gewinnen?

Dabei war es lange Zeit verpönt, davon zu sprechen, den ‘Heimat’-Begriff zu verwenden, galt er doch durch Blut-und-Boden-Ideologie kontaminiert als Unwort. Zumindest bei der 68er-Generation. Doch das Bedürfnis sich zu beheimaten ist ein sehr menschliches, und sich behimatet zu fühlen elementar wichtig.  Ich wollte nicht darauf verzichten und machte 2000 die Suche nach Heimat, den Umgang mit Heimweh, zum Gegenstand meiner künstlerischen Auseinandersetzung. Gemeinsam mit der leider schon verstorbenen russischen Malerin und Performance-Künstlerin MAKSA realisierte ich im Rahmen des Interkulturellen Festivals ‘eigenarten’ die interaktive Installation “WOHER: HEIMAT? Ein transit-kulturelles Public-Art-Projekt” in der U3 der Hamburger Hochbahn.

 

Ein Referent in der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg, die unser Kunstprojekt finanziell förderte, kommentierte das Ansinnen knapp: ‘Heimat – so ein schreckliches Wort!’

Es hat sich einiges gewandelt im Umgang mit dem Begriff und den dazugehörigen Gefühlen – es wird öffentlich und viel darüber diskutiert, künstlerisch gearbeitet. Dabei gibt es ja ganz unterschiedliche und immer höchst persönliche ‘Heimaten’: persönliche, berufliche, Landschaften…

Am besten hat es für mich der schottische konkrete Poet und Gartenkünstler Ian Hamilton Finlay gegriffen, der für Hamburg seine Konzeptkunst zwischen der Kunsthalle und der Galerie der Gegenwart einrichtete. In vier Sprachen ist dort der wunderbare Satz zu lesen: ‘Heimat ist nicht das Land sondern die Gemeinschaft der Gefühle’.

Quelle: Hamburger Kunsthalle

 

 

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